Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die Weltanschauung der Leute, welche die Welt nicht angeschaut haben.“          Alexander von Humboldt


Pichilemu

12.9. Isla Negra

In Isla Negra besuchen wir das zweite Haus von Pablo Neruda, in dem er auch bis zu seinem Tod 1973 lebte. Neruda war nicht nur ein äußerst produktiver und erfolgreicher Schriftsteller und Dichter, sondern auch ein erfolgreicher und außergewöhnlich vielfältiger Sammler vieler Dinge, insbesondere von Objekten, die mit dem Meer zu tun haben, denn insgeheim fühlte er sich immer als ein Kapitän, obwohl er schon bei den kleinsten Wellen seekrank wurde.


8.+9.9. -  Valparaiso

Da wir leider einige sehr unschöne Geschichten in puncto Kriminalität über die Stadt gelesen hatten, ließen wir unser Wohnmobil gut bewacht und sicher auf einem Campground weit vor der Stadt stehen und fuhren mit einem Bus bis direkt in die Innenstadt.

 

Unser erster Anlaufpunkt war der Sonntags-Markt auf dem Mittelstreifen der breiten Avenida Argentina und diversen Seitenstraßen. Der Hauptmarkt ist noch organisiert und halbwegs geregelt und auf ihm werden so gut wie alle Dinge des täglichen Lebens von der Hose bis zum Topf angeboten, dazwischen immer wieder Trödel und ganz selten auch ein wenig Antikes. An diversen Ständen gibt’s natürlich auch was Leckeres für den Magen. In den Seitenstraßen gibt es dann unzählige Trödelstände, direkt auf einer Plane auf dem Trottoir.

 

Nachdem wir nicht ganz so erfolgreich waren wie erhofft, wandten wir uns der Stadt selbst zu und lenkten unsere Schritte in Richtung „La Sebastiana“, dem hoch am Hang über der Stadt gelegenen Museums-Haus von Pablo Neruda, dem chilenischen National-Dichter und Nobelpreisträger. Neruda hatte 3 Häuser, die er alle nach seinen Vorstellungen ausbauen ließ und insbesondere sehr individuell mit seinen diversen Sammlungen einrichtete.

 

Das Besondere an Valparaiso ist jedoch der Aufstieg vom Hafen den Berg hinauf über die vielen verwinkelten Treppen, an den zum Teil abenteuerlich an den Hang geklebten bunten Häusern vorbei, und die vielen künstlerischen Elemente und Wandbilder.


5. + 6. 9. Nationalparks am Meer – Pan de Azucar und Jorge Fray

Im Parque Nacional Pan de Azucar wachsen einige sehr interessante Kakteen und eine kleine Gruppe von 60 Guanacos hat neben ein paar Füchsen dank der Schutzbemühungen des Parks bis heute wohl gerade so überlebt.

 

Im Parque Nacional Bosque Fray Jorge bildet ein besonderes hohes Küstengebirge eine so starke Grenze für den Küstennebel, dass, obwohl es genauso trocken ist wie in der ganzen Gegend und es dadurch fast nie regnet, ein kleiner Nebelwald auf dem Bergrücken entstanden ist. Der Bergrücken ist wohl fast das ganze Jahr so stark in Nebel gehüllt, dass dieser so kräftig an den knorrigen Bäumen kondensiert, dass es sogar von den den Blättern tropft --- und das in der Wüste!


1.9. Mano del Desierto – Kunst in der Wüste

Ein Denkmal, um auf die Schönheit der Wüste hinzuweisen und um ein Zeichen gegen die Umweltverschmutzung zu setzen –-- ob die vielen Besucher, die von der Straße abbiegen, um hier ein Foto zu machen, dieses verstehen, sei dahingestellt.


Minen-Monster unterwegs am Wendekreis des Krebses und alte Schlachtrösser auf dem Abstellgleis

Von San Pedro geht für uns wieder zurück an die Küste, vorbei an diversen weiteren Tagebau-Minen und Relikten der industriellen Entwicklung, wobei wir wir auch die „Linea Tropico de Capricornio“ den „Wendekreis des Steinbocks“ kreuzen.

Mit welch unglaublicher Gewalt die Minen der Erde ihr Schätze entreißen, wird uns deutlich, als wir einige der unglaublich riesigen Maschinen, Bagger und Radlader sehen, wie sie in immer noch riesige Teile zerlegt auf Schwertransportern durch die Wüste transportiert werden.

Einen gewaltigen Sprung zurück erleben wir in „Baquedano“, einem einst für die Dampfzugfahrt wohl sehr wichtigem Knoten- u. Versorgungspunkt, an dem die modernen Züge der Minengesellschaften heute schon lange nicht mehr halten müssen. Auf den alten Abstellgleisen und in den ehemaligen Rangierhallen, rosten heute in einem für jedermann offenem Freiluftmuseum antike Züge und Wagons vor sich hin.


26. - 31. 8. 2018 San Pedro de Atacama

Auf dem Weg in Richtung San Pedro de Atacama, der Oasenstadt am Fuße der Anden und im Grenzgebiet zu Bolivien und Argentinien auf 2000m, kommen wir in Calama an der wohl weltgrößten Tagebau-Kupfermine vorbei. Vor 100 Jahren war es das Salpetersalz, was für das chilenische Bruttosozialprodukt die tragende Stütze war, heute ist es das Kupfer, für das in der Wüste ganze Berge abgetragen werden und neue durch den Abraum aus gigantischen Tagebau-Löchern aufgeschüttet werden.

 

Kurz vor S.P. müssen wir noch einmal über 3000m hoch, aber es geht schnell wieder runter und wir biegen in ein breites Tal ab. Die Nacht verbringen wir wieder einmal unter einem glasklaren, aber frostigen unglaublichen Sternenhimmel am alten Eingang zum „Valle de Luna“, und gerade als der Vollmond sich über die Bergkuppe in die Wüste schiebt, kommen unsere Freunde Julia & Constantin mit ihrem Landi durch die Nacht zum vereinbarten Treffpunkt gerollt. Wir haben uns das letzte mal Ende Juni in Ecuador am Cotopaxi gesehen und haben es wieder einmal geschafft, uns mitten im Nowhere zu treffen. Am nächsten Morgen verabreden wir uns noch einmal in der „French-Bakery“ in San Pedro, bevor die beiden wieder über die Berge nach Argentinien fahren.

Wir erkunden kurz den Ort und fahren dann weiter zum Salar de Atacama – dem großen Salzsee, in dessen Mitte je nach Jahreszeit und wieviel Wasser von den Anden runter kommt, noch einige kleinere Seen übrig sind, in denen man Flamingos und ein paar wenige andere Wasservögel beobachten kann. Das besondere ist, dass es sogar drei verschiedene Flamingo - Spezies sind ( der James F., der Anden F. und der Chilenische F. ) die sich auch alle stark in ihrem Erscheinungsbild unterscheiden. Erst geht es noch 40km auf einer einsamen Straße gen Süden, entlang der Berge und an der Kante des riesigen Salzsees, bevor es dann 20km auf einer betonharten Salzpiste direkt raus auf den Salar geht.

Im letztem Abendlicht finden wir gerade noch den den ziemlich versteckt liegenden Wüsten-Campground „Andes-Nomades“, auf dem wir auch einige andere Langzeitreisende, „Overlander“ antreffen, mit denen wir schnell ins Gespräch kommen.

Am Nächsten Morgen treffen wir uns mit Julia & Constantin in der „French-Bakery“, zu äußerst leckeren Schoko-Croissants und frischen Säften und verabreden uns für irgendwo im Süden von Chile in ein paar Wochen.

Da es uns auf dem Campground so gut gefallen hat, verbringen wir dort noch ein paar Tage, schließen neue Freundschaften und reparieren das eine oder andere.


24.8 - 26.8. Dolores, Humberstone und andere „Geisterstädte“ der industriellen Entwicklung Chiles

 

Nur wenige Kilometer neben der R.5 liegen die Reste von Dolores, eine ehemalige Peruanische Wüsten-Siedlung, in der am 19.11.1879 für Peru und Bolivien eine folgenschwere Niederlage im Salpeterkrieg stattfand. Dieser Krieg verschob so gewaltig die Grenzen, dass der Verlust bis heute noch an dem peruanischen und bolivianischen Selbstverständnis nagt und lastet.

 

Der „Geisterstadt“ Humberstone, viele Kilometer weiter südlich, blieb zwar das Schicksal erspart, zwischen die Fronten eines Krieges zu geraten, hier war es die industrielle Entwicklung, die 1961 zur endgültigen Aufgabe des Ortes führte. Natürliches Salpetersalz wurde nicht mehr gebraucht, aber die extrem trockene Wüstenluft konservierte den Ort und die Industrieanlagen, bis er als Industriedenkmal zum Kulturerbe wurde.

 

Entlang der Ruta 5 / Panamericana in der Atacama gibt es unzählige kleine und große ehemalige Siedlungen, in denen einst Salpetersalz oder andere Mineralien gewonnen, verarbeitet oder verladen wurden. Da diese Siedlungen meistens nur diesen einen Zweck hatten und das Leben in dieser lebensfeindlichen Umgebung, in der es oft über Jahre oder noch viel länger nicht regnet, nur unter größten Anstrengungen und Entbehrungen möglich war, wurden sie meistens kurz nach dem Ende ihres einzigen Zwecks wieder aufgegeben. Nur wenn sich noch eine zusätzliche Verwendung als Hafen, Straßenknotenpunkt, eine andere Mine oder wenn natürliches Wasser in Form einer Quelle vorhanden war, hatten einige Siedlungen eine Chance auf ein Fortbestehen.

Für uns als „Overlander“ die jeden Abend darauf angewiesen sind einen ruhigen, Wind – u. Blickgeschützten Platz zu finden, sind diese Ruinen in einer ansonsten eher freien Landschaft, ohne jeglichen Baum, Busch oder Kakteenbewuchs in der der stetige Wind meistens sogar schon alle Steine und Felsen in Jahrtausenden kleingemahlen hat eine gerngesehene Kampiermöglichkeit.

 

Gab es in Peru noch gefühlt an jeder Straßenkreuzung eine Archäologisch / Kulturhistorisch erwähnenswerte Stätte, so nehmen sie zumindest in der Atacama dann doch rapide ab. Auf dem Weg nach San Pedro de Atacama kommen wir dabei an einem ganz besonderen „Geoglyphen“ oder „Kratzbild“ vorbei --- dem „Giganten von Tara Paca“ der mit 86m größten Menschendarstellung dieser Art.


23.8. Bienvenido A Chile

Wenige Meter hinter der Grenze begrüßt uns ein wirklich imposantes Straßenschild, nicht die Größe, sondern die Kilometerangaben beeindrucken. Chile ist selten besonders breit aber dafür umso länger. Von der Grenze bis zur Hauptstadt (ungefähr in der Mitte) sind es 2085km !!!

 

Und die zentrale Straße des Landes, die Ruta 5, oder auch Panamericana geht fast durch das ganze Land auf 3364km !!

 

Schon in Peru ging es für uns ja schon seit einigen Wochen und weit über 2000km durch Wüste und Halbwüste, nun beginnt für uns die Atacama-Wüste, sie gilt als die trockenste aller Wüsten dieses Planeten, die noch einmal fast 1600km gen Süden reicht, bevor es dann wieder langsam etwas grüner wird. Die Anden schirmen so gut wie allen Regen von der einen Seite ab und von der anderen Seite verhindert der kalte Humboltstrom die Bildung von nennenswerten Regenwolken.