“Better to see something once than to hear about it hundred times.”


29.7. - 2.8.'18 Caraz 2600m > Laguna Paron 4200m und zurück nach Caraz

Nach dem wir feststellen mussten, dass auch der dritte Reifen platt war, hatten wir ja erfolgreich die beiden neuen (platten) Reifen flicken lassen. Nun hatten wir nur noch einen alten noch funktionsfähigen Reifen und einen alten vollkommen zerstörten Reifen, den wir wenigstens von seiner Felge trennen wollten.... Dazu mussten wir aber den Reifen wieder unter dem Fahrzeug von der Reserverad-Aufhängung bekommen, alles kein Problem .... wenn das Teil in den letzten 14 Jahren ein wenig öfter bewegt worden wäre. Da das aber nicht passiert ist, ist der Mechanismus ziemlich eingerostet und die "Schraube" bricht während ihrer zweiten Benutzung in drei Tagen auseinander....... Also muss ich den Reserverad-Aufhängungs-Mechanismus außerst mühsam unterm Auto liegend komplett ausbauen. Der erste Mechaniker, der erst hoch und heilig schwört, dass er es wieder hinbekommt, muss dann am nächsten Tag eingestehen, dass er es doch nicht kann. Während wir gerade noch mit ihm andere Möglichkeiten versuchen zu diskutieren, stürzt ein Mann in den Werkstatthof und versucht uns verständlich zu machen, dass wir doch ganz schnell unser Auto wegfahren sollen -- wir hatten es neben der Werkstatt neben einem kleinem "Holz-Baugerüst" abgestellt, aber niemanden arbeiten sehen. Inzwischen hatte man etwas oberhalb wieder mit dem Betongießen angefangen und hatte unser Auto mit einem satten Schwall Beton bedacht -- quer über das halbe Dach mit den Solarzellen, die Windschutzscheibe und die Motorhaube. Das ich mich bei dem Anblick nicht freundlich für die kostenlose "Beton-Imprägnierung" bedankte, sondern zum "HB-Männchen" wurde, konnte man gar nicht verstehen. Zum Glück hatte man keinen Schnellbinder benutzt, und wir hatten noch genug Zeit, eine "Lavanderia" mit einem kräftigen Wasserschlauch aufzusuchen. Da die erste Werkstatt uns nicht helfen konnte, ging es dann zum "Bosch-Service", einer Werkstatt, in der man vor kurzem schon Freunden von uns geholfen hatte. Auch diese versprachen, die Reserverad-Aufhängung bis zum nächsten Tag zu reparieren.

Mit der Hoffnung, dass es diesmal besser klappen würde, starteten wir in Richtung "Laguna Paron", einem in 4200m Höhe gelegenen Gletschersee, der umgeben ist von insgesamt acht Eisgipfeln zwischen 5700m und 6400m. Von Caraz geht es von 2600m in nur 34km über ungezählte Serpentinen auf einer natürlich nur einspurigen Sand- u. Geröllpiste, die alles, was wir in letzter Zeit gefahren sind, in den Schatten stellte, steil bergauf. Als wir oben ankommen, sind wir schon fast allein und bekommen noch kurz einen Blick auf ein fantastisches Abend-Berg-Panorama geboten. Nachts wird es erstaunlicherweise mit +2,5°C gar nicht sooo kalt, obwohl wir uns ja eigentlich im Winter und nur 270m niedriger als als die Spitze des Matterhorns aufhalten. 

Am nächsten Morgen sehen wir erst einmal gar nichts, da wir mitten in den Wolken stehen, aber gegen 8:00 Uhr kommt dann ein kräftiger Wind auf, und die Sonne kämpft sich durch, so dass wir zu unserer Wanderung entlang des Sees starten können.

Als wir abends in Caraz wieder in der Werkstatt ankommen, haben sie den Mechanismus tatsächlich reparieren können und bauen ihn auch gleich ein. Da das Auto ausnahmsweise mal auf einer großen, kräftigen Bühne steht, kann ich mir den Unterboden auch mal wieder eingehender betrachten und stelle zu meinem Schrecken zwei größere Ölleckagen fest. Der Werkstattmeister schüttelt nur den Kopf und mit dem Übersetzer des Handys macht er uns verständlich, dass das "mas problemas" seien. Also haben wir gleich wieder ein Termin für den nächsten Tag für eine "Wellness-Kur" für unseren treuen Bus gemacht. Als wir ihn am nächsten Abend von seinem "Spa-Aufenthalt" abholen, schnurrt der Motor wieder wie schon lange nicht mehr, und die Kupplung geht so weich wie Butter. Jetzt brauchen wir nur noch 4 neue Reifen und eine frische Füllung für die Gasflasche, und alles ist perfekt.

 


23. - 28.7 Abenteuerlicher "Ritt" durch die Anden und den "Entencanyon" nach Caraz

Hinter dem wirklich sehenswerten kleinem Museum in Leymebamba begannen dann unsere "ersten" abenteuerlichen 850 km durch die peruanischen Anden-Cordilleren. Bis Kuelap war die Strasse noch im großem und ganzen soweit in Ordnung bis herrvorragend gewesen. Aber dann zweigte sie von der Amazonas-Region ab zur Cordillera Central, was für unser treues Mobil wieder Bergeklettern auf bis zu 4300m bedeutete und über "Straßen", die eigentlich kaum als Pisten zu bezeichnen waren -- aber laut Karte solche sein sollten, die sich entlang schwindelerregender einspuriger Fahrbahnen, auf denen es auf der einen Seite hunderte Meter noch höher hinauf und auf der anderen hunderte bis tausend Meter tief hinab ging (Inzwischen haben wir auch die Bezeichnung für diese Straßen rausgefunden -- balcony-roads, nur ohne Geländer !!! Zum Glück hielt sich der Verkehr meistens doch seeeehr in Grenzen (teilweise nur alle 2 Stunden 1 Fahrzeug )). Gelegentlich sah das Bild des Navis eher wie ein EKG als wie eine Straßenbeschreibung aus, wenn wir von einem Berggipfel zum nächsten schauten und dort dann eine gezackte Linie sich den Hang entlangschlängeln sahen --- erst 50 Haarnadelkehren 1000m runter und dann auf der anderen Seite eine ähnliche Anzahl wieder rauf. Vorteil einer solchen Piste ist, dass man das Leben in den ganz kleinen Bergdörfern mit den Trachten und den sehr einfachen Lebens- u. Arbeitsbedingungen hautnah mitbekommt (Lehmziegelbau + Pflügen mit einem Ochsengespann).

So kamen wir denn auch zu einem sehr einsamen Besuch der in 3600m auf einem Bergrücken gelegenen Ruine von Marcahuamachuco. Das Besondere: kein Eintritt, keine Souvenirverkäufer, überhaupt keine anderen Besucher. Die riesige Anlage, die sich über mehrere Kilometer Länge und bis zu 500m Breite erstreckt, wurde lange vor den Inkas gegründet (400 v.Chr. ), die Blütezeit war dann 600-700 n.Chr. Die einzigen, die uns morgens um 6:30 an unseren luftigen Übernachtungsplatz auf 3400m kurz vor dem "Eingang" weckten, waren einige Kleinbusse mit den Ausgrabungsarbeitern.

Was schon nach der Überwindung des ersten Gebirgszuges nach dem noch knackig-grünen Amazonas-Gebiet ganz schnell auffiel, war der sehr schnelle radikale Vegetationswechsel zu einer sehr trockenen Halbwüste bis teilweise staubtrockenen Wüste, in der nur noch sehr wenige kleine Akazien und ansonsten recht stattliche Kakteen wuchsen. 

Bei Kilometer 44.102 unserer Reise seit Halifax kam dann das schon lange Erwartete und Befürchtete --- der erste Platten, zwar am Berg, aber wir konnten zum Glück weit genug rechts ranfahren, um nicht mitten auf der einspurigen "Straße" zu stehen.

Da die Reifen nach den Tausenden von Kilometern Piste eh schon "reif" waren, war es keine besondere Überraschung. Da wir zwei Ersatzräder dabei haben, wurden denn auch gleich beide Hinterräder ausgetauscht. Alles lief glatt und der Grip war auch erst einmal natürlich viiieeel besser. Aber nur für 52km -- Wir machten gerade neben den Resten der kleinen Pyramiden-Ruine La Golgata Pause, um uns diese wohl über 4000 Jahre alte Stätte aus der Vor-Keramik-Periode anzuschauen, da viel uns von weitem schon auf, dass der Bus plötzlich eine unnatürliche Schieflage hatte -- es hatte sich wohl ein scharfer Stein die Seitenkarkasse des einen neuen Reifen vorgenommen und ihn aufgeschlitzt...... Also wieder den noch heilen "Alten" rauf und weiter in Richtung "Canon del Pato" oder Entencanyon. Die ehemalige Bahntrasse, die sich durch den Canyon entlang des Rio Sant windet, liegt an der an der Schnittstelle zwischen Cordillera Negra und Cordillera Blanca und hat eine eindrucksvolle Schlucht in den Felsen gegraben. So entstand der enge, 1000 m tiefe Cañón del Pato, einer der spektakulärsten Canyons von Nordperu. Auf einer 25 km langen Strecke wurden einst 35 Tunnel gebaut, um eine für einen Zug befahrbare Strecke zu ermöglichen, Nachdem die Bahnstrecke stillgelegt und die Gleise entfernt waren, entschloss man sich, eine halsbrecherische Straße anzulegen, um das direkt an der Felswand errichtete Wasserkraftwerk zu versorgen. Bis vor wenigen Jahren war die Strecke noch eine halsbrecherische Piste, heute ist es eine nicht weniger gefährliche, einspurige Asphaltpiste mit gelegentlichen kleinen Ausweichbuchten. Wer die vielen Hinweisschilder " Toque Claxon" oder "Tocar Bocina" (Hupen/Horn benutzen) vor den vielen Kurven und insbesondere den unbeleuchteten, ebenfalls einspurigen Tunneln vergisst, exzessiv zu benutzen, kann dann leicht von einem größerem Fahrzeug genötigt werden, den Rückwärtsgang einzulegen..... Also nichts für schwache Nerven. Glücklich in Caraz auf dem kleinen, aber feinen Campingplatz angekommen, erzählen wir gerade unseren kanadischen Nachbarn von unserem Pech mit den zwei Platten, als wir entgeistert feststellen, das auch der zweite "Neue" Ersatzreifen platt ist..... Über Nacht bocken wir den Bus behelfsmäßig auf, und am nächsten Morgen fährt uns der Besitzer des Campingplatzes freundlicherweise mit den beiden platten "Neuen" Reifen zu einer "Llantera" -- einer Reifen-Werkstatt seines Vertrauens, die unsere "beiden" problemlos wieder flicken. Hoffentlich sind jetzt erst einmal aller guten Dinge drei......


23.7. Von Kuelap nach Leymebamba

Von Kuelap / Nuevo Tingo ging es erst einmal gemütlich auf einer Piste am Rio Utcubamba entlang nach Leymebamba, wo wir trotz der eigentlichen Montags-Schließung gerne von einem Museumsmitarbeter in das erst im Jahr 2000 eingeweihte Antropologische Museum, dessen größte Teil der Ausstellungs-Stücke  aus der Chachapoya-Zeit stammt, sowie aus der Zeit, als die Inkas die Region dominierten, eingelassen wurden.

Das Museum beherbergt fast 200 Mumien und andere Artefakte, die erst zufällig 1997 in Felshöhlen in der Gegend entdeckt wurden.


20.-22.7. Durch die Anden zur Vogelnest-Festung Kuelap

Wir hatten den kleinen Grenzübergang La Balsa unter anderem gewählt, da dieses der kürzeste Weg nach Kuelap ist, die "Vogelnest"-Festung der Chachapoya, einer Kultur, die vor den Inka vom 9. - 13. Jahrhundert dort lebte, und diese beeidruckende "Festung" in 3100m auf einer Bergspitze baute. Es muss schon jemand eine seeehr große Wut auf die Bewohner gehabt haben, um auf die Idee zu kommen, dieses hoch in den Wolken gelegene "Machu-Pichu-des-Nordens" anzugreifen. Allerdings dürfte eine Versorgung auch nicht gerade einfach gewesen sein, denn fast an allen Seiten gibt es fast nur steil abfallende Hänge.

Zu unserem Glück gibt es seit letztem Jahr jetzt eine Seilbahn. Vom Dorf Kuelap geht es erst etwas den gegenüberliegenden Berghang hinauf, zu einem viel zu kleinen Parkplatz mit einer vermeintlichen "Bergstation" -- nur dass hier erst einmal die Tickets verkauft werden (20,-Soles, Eintritt + 20,- Soles Seilbahn pro Person >> Zusammen 20,-€) dann geht mit einem Shuttelbus noch mal weiter den Berg hinauf zur eigentlichen Seilstation (alles perfekt organisiert). Die Seilbahn geht dann erst in schwindelerregender Höhe über das Tal zum eigentlichen Berg und dann steil hinauf. Oben angekommen, geht es dann noch einmal über endlose Stufen für ca. 45min den Berg weiter hinauf zur eigentlichen Festung (besonders Fußfaule können sich aber sogar von einem bemitleidenswerten Muli hochbringen lassen). Die Festung selbst ist dann zum Schutz vor den weniger Kulturinteressierten fast nur auf einem festgelegten Rundkurs auf einem Bordwalk zu erkunden.